17. November 2010

Ist Südtirol zu teuer?

Bring Money to the SchlernÜber das Südtirol-Reisen-Magazin hat mich vor einiger Zeit eine interessante Nachricht erreicht, welche ich hier im Blog veröffentlichen und anschliessend meine diesbezügliche Meinung kundtun möchte:
" Grüß Gott! Wir wollen einfach mal loswerden, was wir denken. Seit mehr als 30 Jahren verbringen unsere Familien und wir als passionierte Bergsteiger unsere Urlaube vornehmlich in Südtirol. Vom Ridnauntal über das Tauferertal, die Plose, Ortler- oder die Texel-Gruppe bis in den Bereich der Rosengartenregion. Nicht nur, weil die Landschaften schön und die Menschen herzlich und gastfreundlich sind. Auch, weil es lange Zeit preiswürdiger war, bei Ihnen Urlaub zu machen, statt in Österreich oder Deutschland.

Von Jahr zu Jahr werden die Urlaube in Südtirol teurer! Beängstigend schnell. So verstehen wir unter "Last-Minute-Angeboten" im Frühherbst preislich etwas ganz anders, als es die Angebote aus Ihrer Region ausweisen. Ob es nun gefällt oder nicht: Bei Preisen jenseits der 40-45 € für HP in dieser Jahreszeit "klicken" wir als kühle Rechner sofort weiter - oder bleiben gleich in Bayern.

By the way: Die Urlaubswelt besteht nicht nur als "Wellness", eine unseres Erachtens vergängliche Modeerscheinung.

Es ist nach unserer Überzeugung und Sicht nur eine Frage der Zeit, bis die Region nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Als auch in Randbereichen des Tourismus nicht ganz unerfahrener Betriebs- und Volkswirt erlaube ich mir diese Prognose. Die "undisziplinierte italalienische Inflation" sei schuld, hören wir. Die aber wollen und werden wir auf Dauer nicht bezahlen. Und viele andere auch nicht, wie man überall hört. Dann kann man gleich nach Frankreich fahren, jenes Land, was bedauerlicherweise zu den teuersten in Europa zählt und peu à peu nennenswerte Einbußen verzeichnen muss.

Dass es auch ein wenig anders geht, zeigt sich hierzulande, wenn vieles auch hier in Deutschland zu kritiseren ist. Die Inflation hält sich im Sinne aller Bürger einigermaßen in Grenzen. Das sage ich nicht als Deutscher, sondern als viel reisender Luxemburger, der seit 31 Jahren in Süddeutschland lebt.

Über die preisliche Entwicklung bei Ihnen sind wir sehr jedenfalls betrübt. Das ändert aber nichts daran, dass wir  - wie zahlreiche andere - dem Urlaubsziel "Südtirol" konsequent den Rücken kehren werden, wenn sich die Tendenz nicht ändert. Die Welt ist groß und viele Destinationen bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Appellieren Sie bitte deswegen an die Behebergungsbetriebe, sich mit Preiserhöhungen zurückzuhalten! Es ist nach der Erfahrung sehr schwierig, alte Freude zurückzugewinnen, wenn sie einmal gegangen sind. Denn: andere Regionen haben auch "schöne Töchter"... Wer das nicht glaubt, möge sich im einst preiswürdigen und beliebten Spanien erkundigen. Die diesjährige Urlauberbilanz scheint wegen der nicht mehr akzeptablen Preise desaströs zu enden. Andere freut's.

Nichts für ungut und freundliche Grüße!

F. S.
Dipl.-Betriebswirt

PS: Wir haben im Sinne der Sache nichts dagegen, wenn Sie unseren Hinweis bei den zuständigen Stellen gebührend verbreiten und erläutern ggf. auch gerne, wie wir es meinen."
Die Mail ist zwar an das Reisemagazin und nicht an mich persönlich gerichtet, trotzdem fühle ich mich als Gastwirt natürlich betroffen und möchte dazu Stellung nehmen:

Es ist richtig, in den 80er Jahren waren Urlaube in Südtirol für Besucher aus dem Norden aufgrund der damaligen Währungssituation extrem preiswert. 20 Jahre später ist die ökonomische Situation eine vollkommen andere, die Preise sind gestiegen und falls die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion in der jetztigen Form weitergeführt wird, ist davon auszugehen dass der relativ hohe Südtiroler Kostendruck (Personal, Mieten, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Steuern ...) auch in den nächsten 20 Jahren erhalten bleibt und irgendwie auch auf die Gäste weitergegeben werden muss.

Es gibt in Südtiroler nun einige Betriebe die ihre Preispolitik einfach vom Nachbarn kopieren; andere versuchen den Nachbarn immer um ein paar Euro zu unterbieten und ein Grossteil der Betriebe ist der Meinung durch ständige Investitionen, Anpassungen und Erweiterungen die Auslastung und das Betriebsergebnis erhöhen zu können.

In meinem eigenen Betrieb versuche ich die Qualität der Lebensmittel und der Dienstleistung hoch zu halten, aber Anhand von Eigenleistungen und Verzicht auf überflüssiges Beiwerk (auch in meinen Augen sind das z.B. die Wellnessbewegung, überteuerte Werbekampagen, Povisionen u.ä.) die weiteren Kosten zu drücken und konnte damit bisher recht "vernünftige" Preise anbieten.

Trotzdem wird es irgendwo immer jemanden geben, der billiger ist. Wer seine Urlaubsorte ausschliesslich aufgrund des Preises aussucht, der sollte auch dorthin zu fahren wo es dem Geldbeutel am wenigsten wehtut. Und dieser Ort wird wohl nicht Südtirol sein. Und trotzdem glaube ich dass Südtirol eines der besten Urlaubsziele auf dieser Erde ist und wenn wir unsere landschaftlichen und kulturellen Schätze pflegen dann wird dieses Land auch in Zukunft ein attraktives Urlaubsziel bleiben, auch und gerade weil Qualität immer ihren Preis haben muss.

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Kommentare:

  1. Nach dem aufschwung der Wirtschaftslage in der BRD, ist die Antwort nein. Da die Lage der Länder insgesamt wieder stabil ist, denke ich das dies nur ein zwischen Stadium ist. Trotzdem bleiben Ferienwohnugen immer noch sehr Teuer in Sicht auf die letzten Jahre.

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  2. Deinem Kommentar auf diesen Appell ist nichts hinzu zu fügen Herbert. Wem 40 - 45 EUR für HP zu teuer sind, braucht sich nicht über nachlassende bzw. fehlende Qualität zu wundern. Schade, dass es immer diese Verallgemeinungen und Pauschalverurteilungen gibt. Aber auch schön, dass man diese Leute dann nicht mehr im schönsten Urlaubszeil der Erde trifft.
    Viele Grüße aus Berlin! Petra

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  3. Ich bin auch der Meinung meiner Vor"redner"!Ich frage mich immer wieder, was die Leute eigentlich wollen - alles für lau? Ich habe vor diesen Winter wieder nach Südtirol zu fahren, wie jedes Jahr eigentlich - bloß diesmal werde ich meine Cam nicht vergessen, denn ich möchte mir mal ein Fotobuch (Thema: Südtirol) anfertigen!

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  4. Hm, ja ich kann mich auch nur anschließen. Lieber etwas Teurer dafür sehr gute Qualität. Klar ist es nicht für jeden machbar, aber wenn auch noch die sparen würden, die es ausgeben könnten, würde es bald nur noch billig Urlaub geben. Durch uns verdienen ja auch wieder die Restaurants, Hotels etc. Südtirol ist echt schön aber im Sommer liebe ich es auf dem Wasser zu reisen. :-)

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  5. Die Frage des Preises für ein Produkt oder eine Dienstleistung orientiert sich seriöserweise immer an Vergleichen. Der Vergleich beinhaltet wiederum die individuelle Vorstellung über die Güte des Produktes. So gesehen dürfte das Urlaubsland Südtirol, schon allein wegen der durchschnittlichen 300 Sonnentagen im Jahr, als praktische Voraussetzung für gelungenen Urlaub, punkten. Wer nun noch die Einmaligkeit der Landschaft, den wohltuenden Menschenschlag, diesen wohlsortierten Rahmen zwischen Alpin und Mediterran, die durchbrechende Authenzität und andere Alleinstellungsmerkmale für Destinationen im Alpenraum in seine Entscheidung einfließen lässt, dürfte für den zu zahlenden Preis deutlich spürbare und genügend Elemente in die Hand kriegen. Das Urlaubsland Südtirol bekommt eigentlich mit jährlichen Rekordbesucherzahlen recht für seine Entwicklung.

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  6. Im fernen Westdeutschland bin ich auf diesen Blog gestoßen. Meine Familie und ich machen schon seit Jahrzehnten immer mal wieder Urlaub in Südtirol, und ich muss sagen, wir ärgern uns auch über die nicht zu übersehenden Preissteigerungen in den letzten Jahren. Da ist es kein Trost, dass es in Frankreich noch schlimmer abgeht. In jedem Prospekt unserer ehemaligen Destinationen von Sterzing bis St. Cyprian oder Schluderns gibt es seit Jahren Preissteigerungen von 2 bis 5% per Annum. Seit mindestens 10 Jahren hat niemand von uns Urlaubern solche Lohnsteigerungen! Ich glaube, die Angestellten in Südtirol auch nicht. Wo also bleibt das Geld? In unseren Augen hat der "Luxemburger Bayer" ziemlich Recht. Da helfen keine verbrämten "Solidaritätsadressen". Der Mann hat ja nicht die Qualität kritisiert, sondern die Steigerungen der Preise.
    Was meint der erste Kommentator mit "...ist die Antwort Nein“? Was heißt „Wollen die alles für lau?“ Lau sind die Preise in den alpenländischen Urlaubsgebieten schon lange nicht mehr. Auch hierzulande müssen sich die kleinen und mittleren Geschäftsleute nicht erst seit der Wirtschaftskrise mit weniger Profit zufrieden geben.
    Es geht auch nicht nur darum, ob ich mir Südtirol (oder Frankreich, etc.) leisten KANN. Ich WILL manche Preise einfach nicht bezahlen, vor allem nicht die beim vom F. S. angesprochenen Modetrend „Wellness“. Hier ist uns schnell klar geworden, dass Preis und Gebotenes selten in einem akzeptablen Verhältnis stehen. Da hat man schon den Eindruck, dass manche Hoteliers sich nicht schnell genug die Taschen füllen können. Natürlich nicht nur in Südtirol. Das gilt auch hier in Deutschland.
    Südtirol hat also Jahr für Jahr steigende Gästezahlen? Rekorde gar? Mir fehlt ein wenig der Glaube oder es ist die „Ruhe vor dem Sturm“. So hat man vor 15 Jahren in Österreich auch „aus dem Wald gepfiffen“ und dann ging es im dortigen Tourismus jahrelang bergab, wie ich von einer alten Freundin weiß, die in der Tiroler Hotellerie arbeitet. Wegen der zu hohen Preise. Es wäre schade, wenn ausgerechnet das wirklich schöne Urlaubsland Südtirol eine ähnliche Entwicklung nehmen würde. Wir jedenfalls werden bei ALLEN Destinationen abstinent sein, wo aus unserer Sicht die Preise zu schnell steigen. Wie angedeutet, wir wollen das Geld andernorts allenfalls so schnell ausgeben, wie wir es auch selbst verdienen.
    Monika aus Rheinland-Pfalz

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  7. Ein total interessantes Thema! Ich habe letztens einen Vergleich zwischen Kitzbühel und St. Moritz gesehen, spannend! Ich fahre persönlich immer in die Region Sexten in Südtirol, da ist es noch nicht ganz so überlaufen und teuer.
    Viele Grüße, Sarah!

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